Ookla, die Betreiberfirma von Speedtest.net, hat eine 5G-Karte online gestellt. Sie verzeichnet Orte, an denen die neue Mobilfunkgeneration bereits verfügbar ist, wie es auf der Website heisst. Die Daten für die Karte stammten von öffentlichen und eigenen Quellen, schreibt Ookla. Fazit: Die Schweiz steht im Vergleich mit anderen Ländern ziemlich einsam da. Laut Ooklas Karte gibt es hierzulande 225 Orte, an denen sowohl 5G-Empfang möglich ist, wie auch entsprechende Geräte erhältlich sind. Die weltweite Nummer 2 folgt mit riesigem Abstand: In Korea seien bislang 15 Orte mit 5G-erschlossen.


Was ist neu an 5G, und welche Vorteile wird es den Anwendern bringen?
Seit Ende 2018 laufen in der Schweiz erste 5G-Testnetze. Die dazu nötigen Frequenzen wurden in der Schweiz im Februar 2019 nach 29 Bieterrunden für rund 380 Millionen Franken versteigert. Die neue Mobilfunkgeneration 5G ist Evolution und Revolution zugleich und bietet deutlich schnellere Datenübertragungen bei sehr tiefer Latenz. Damit ermöglicht 5G neue Anwendungen wie das Internet der Dinge (IoT), mobiles Cloud Computing und "Industrial 5G". Ausser der Vernetzung von Dingen und der Steuerung von Fahrzeugen können etwa auch Industrieprozesse lokal erfasst und gesteuert werden. Die dazu nötigen Daten transportiert 5G praktisch verzögerungsfrei.

Für 5G wurden einerseits bestehende Konzepte weiterentwickelt – primär aus der vierten Mobilfunkgeneration (4G/LTE). Andererseits wurden für 5G viele neue und komplexe Netztechniken weltweit entwickelt. Im Zentrum steht dabei eine deutliche Steigerung der spektralen Effizienz. Sie beschreibt, wie viel Kapazität man aus einem Funkspektrum herausholen kann. Bei 5G kann man pro Hertz (Hz) Bandbreite rund 172 Bit pro Sekunde (Bit/s) übertragen, während es bei 3G noch magere 1,44 Bit/s waren. 4G startete mit 7,5 Bit/s pro Hz und liegt heute bei maximal 40 Bit/s. im Vergleich dazu steigt die spektrale Effizienz von 5G etwa um den Faktor 4,5.


Evolution zu 5G
4G nutzte erstmals eine IP-basierte (Internetprotokoll) und daher paketvermittelten Netzinfrastruktur, wie sie heute praktisch jeder Netzbetreiber unterhält. 4G wurde Ende 2012 in der Schweiz eingeführt und brachte spürbare Verbesserungen insbesondere bei der mobilen Internetnutzung, die weiterhin stark boomt. Dank verbesserter spektraler Effizienz stiegen auch die Übertragungsgeschwindigkeiten kontinuierlich an. Anfangs wurden bis zu 150, dann 300 und später sogar 700 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) geboten. Seit Herbst 2017 sind es an einigen Hotspots sogar bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (alle Angaben beziehen sich auf den Download). Mit 5G will man nun bis zu 10 Gbit/s erreichen. Für solche Geschwindigkeiten waren bis vor Kurzem noch Glasfaserleitungen nötig.

Bereits mit 4G sind mobiles Video-Streaming in HD-Qualität, Videokonferenzen und Netzwerkspiele möglich. Benutzer von Smartphones, Tablets und Notebooks profitieren vom höheren Durchsatz und kleinen Latenzzeiten (ca. 20 bis höchstens 50 Millisekunden). Zum Vergleich: Beim weiter betriebenen Vorgänger 3G/UMTS betrug die durchschnittliche Latenzzeit 2005 noch 200 bis 300 Millisekunden. Flüssige Videoübertragungen sind daher erst ab 4G möglich. Hingegen wird 5G eine neue Dimension des Mobilfunks einleiten.


Braucht die Schweiz 5G?
Zurück zur Frage. Früher stand die Sprachkommunikation im Zentrum der Mobilfunknetze. Heute ist es längst der mobile Datenaustausch mit über 90 Prozent Verkehrsanteil, was neue Funkkapazitäten erfordert. Seit Jahren verdoppeln sich die in öffentlichen Mobilfunknetzen übertragenen Datenvolumina etwa alle 7 bis 12 Monate (je nach Netzbetreiber). Zudem werden weltweit allein für IoT bis ins Jahr 2025 geschätzte 30 bis 50 Milliarden Endgeräte erwartet, was die kommende Verkehrsmenge erahnen lässt. 4G bietet seit Kurzem dank Narrowband IoT (NB-IoT) und 5G von Beginn an die Möglichkeit zur IoT-Nutzung.

Ende 2020 werden die alten 2G/GSM-Netze abgeschaltet. Diese nutzen heute das 900- und 1800-MHz-Band nur sehr ineffizient, sodass die dann freiwerdenden Funkkapazitäten für 4G und 5G bereitstehen. Auch die Abschaltung von UMTS wird aus denselben Gründen bereits diskutiert, vermutlich erfolgt diese im Jahr 2024. Zusätzlich zu 900 und 1800 MHz (GSM) könnten die Netzbetreiber dann die freien UMTS-Frequenzen (1,8/2,1/2,6 GHz) für 4G und 5G nutzen. Die Evolution geht also weiter.



Friday, May 31, 2019







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