Früher als erwartet hat Microsoft begonnen das mittlerweile fünfte Windows-10 Funktionsupdate (unter dem Namen April-Update Version 1803) über die Windows-Update-Funktion zu verteilen. Das überrascht, hatte der Konzern doch angekündigt, mit der automatischen Auslieferung erst am 8. Mai 2018 zu starten.
Trotzdem kann es aber noch dauern, bis das Update bei Ihnen aufschlägt, denn die Verteilung verläuft in Wellen. Welche Neuerungen drinstecken und was sie taugen, klären wir in folgendem Beitrag. Dass Microsoft keinen knackigen Marketingnamen nutzt, sondern schlicht vom „April 2018 Update“ spricht, klärt bereits, dass keine radikalen Änderungen im April-Update enthalten sind. Das bedeutet aber nicht, dass es uninteressant ist:

Die auffälligste Neuerung ist die „Timeline” – eine spannende Funktion, die das Arbeiten mit Windows auf verschiedenen Geräten deutlich vereinfacht. Diese Zeitleiste zeigt per Klick Ihre Aktivitäten der vergangenen 30 Tage an. Melden Sie sich an mehreren PCs mit demselben Microsoft-Konto an, etwa zu Hause und im Büro, zeigt die Timeline auch, woran Sie zuletzt auf den jeweils anderen Geräten gearbeitet haben. Per Klick setzen Sie die Arbeit daran ohne Umschweife fort. Und wer viel im Team arbeitet, freut sich über die Möglichkeit, Dokumente und Links unkompliziert an Windows-10-PCs in der Umgebung zu verschicken – unabhängig von USB-Stick oder Cloud-Dienst. Nicht einmal Internet ist für die neue Direktverbindung zwischen verschiedenen Windows-10-Rechnern vonnöten – sie überträgt die Daten per Bluetooth.


Optisches: Windows-Update setzt auf Fluent Design

Auffällig sind weiters die Anpassungen an der Oberfläche: Zwar hatte Microsoft bereits beim Herbst-Update damit begonnen, sein neues Fluent Design in Windows 10 zu integrieren, doch erst mit dem April-Update für Windows 10 startet der Konzern richtig durch. Und auch wenn die Änderungen eher Details betreffen, sorgen sie doch dafür, dass das neue Betriebssystem merklich freundlicher und moderner wirkt. Windows 10 bietet nach dem neuen Windows-Update deutlich mehr, etwa zahlreiche neue Optionen in den Einstellungen und eine verbesserte Personenleiste mit bis zu zehn „Köpfen“ in der Taskleiste. Ohnehin legt sich Microsoft dieses Mal mächtig ins Zeug, die mit den vorigen Updates eingeführten Neuerungen aufzubohren und zu optimieren.


Windows-Updates deutlich schneller

Zweimal im Jahr veröffentlicht Microsoft seine grossen „Feature Updates“. Die bringen zwar neue Funktionen, aber zum Preis einer kompletten Neuinstallation des Betriebssystems. Zwar hat Microsoft den Prozess mittlerweile stark automatisiert, sodass der Nutzer davon kaum etwas mitbekommt, doch während zahlreicher Neustarts war der PC bislang im Schnitt für 82 Minuten nicht nutzbar. Diese „Offline-Zeit“ hat Microsoft mit dem April-Update auf durchschnittlich nur noch 30 Minuten reduziert. Dazu soll ein wesentlicher Teil des Updates schon vor dem Neustart im Hintergrund ablaufen.


Updates für Cortana und Emoji-Tastatur
Auch die digitale Assistentin „Cortana” macht auf Aktivitäten aufmerksam und bietet an, da weiterzumachen, wo Sie zuletzt aufgehört haben – und zwar gezielt für Arbeitsschritte auf anderen Geräten. Zudem hat Microsoft Cortanas Notizbuch neu gestaltet. Im neuen Reiter „Fertigkeiten verwalten“ sind Einstellungen in Themen wie „Produktivität“ und „Lifestyle“ einsortiert. Nach einem Klick auf Verbindungen lässt sich Cortana zudem mit anderen Diensten verknüpfen, auf deren Daten Sie dann per Sprachbefehl Zugriff haben. Bislang stehen dort für deutsche Nutzer nur Gmail, LinkedIn, Office 365 und Outlook.com zur Auswahl. US-Nutzer binden hingegen etwa bereits Spotify ein, um per Cortana-Befehl Musik zu hören. Das deutet darauf hin, dass diese Funktion später auch in Europa verfügbar sein wird, denn immerhin schaltet Microsoft die Emoji-Tastatur, die mit dem Herbst Creators Update für Nutzer der US-englischen Tastatur eingeführt wurde, nun auch für deutsche Nutzer frei. Um etwa einen lachenden Smiley einzufügen, genügt das Tastenkürzel Windows-Taste und . (Punkt) – schon erscheint ein kleines Fenster mit allen verfügbaren Emoticons und erlaubt das Abfeuern ganzer Emoji-Salven in Texten.


Edge: Frühjahrsputz beim Windows-10-Browser
Direkt zum Start hingegen lässt sich auch hierzulande im Edge-Browsers das überarbeitete Dunkel-Design auswählen. Browser-Erweiterungen lassen sich jetzt im Privat-Modus nutzen. Neu ist auch, dass Edge Ogg-Videos sowie Audio-Dateien abspielt und Push-Mitteilungen von Webseiten im Info-Center anzeigen kann, selbst wenn der Browser geschlossen ist. Wer den Edge-Browser regelmässig im Vollbildmodus (F11) nutzt, darf sich freuen: Wird der Mauszeiger zum oberen Bildrand bewegt, erscheint die Adressleiste. Bislang musste man den Vollbildmodus verlassen, um eine neue Webadresse einzugeben. Nach Firefox und Chrome hat nun auch der Edge-Browser die Option nachgereicht bekommen, einzelne Tabs stumm zu schalten. In den erweiterten Einstellungen des Browsers lassen sich nun zudem Adressdaten hinterlegen, sodass der Browser entsprechende Formulare automatisch befüllt. Auch der im Edge-Browser integrierte eBook- und PDF-Reader bekommt ein Upgrade. So hat Microsoft das gesamte Erscheinungsbild des Tools erneuert und um etliche Funktionen wie einen Vollbildmodus und eine Notiz-Funktion ergänzt. Ausserdem lassen sich eBooks im EPUB-Format nun auf dem PC abspeichern. Neu ist auch das Grammatiktool im eBook-Reader. Aktivieren Sie das Hilfswerkzeug, zeigt der eBook-Reader auf Wunsch Worttrennungen an oder hebt Substantive, Verben und Adjektive hervor. Hilfreich für Menschen, die gerade eine Sprache lernen.


Datenschutz: April-Update setzt auf Transparenz
Windows 10 steht seit der Veröffentlichung 2015 in der Kritik, seine Nutzer auszuspionieren. Mit dem aktuellen Windows-Update kommt Microsoft Datenschützern ein klein wenig entgegen: Das Übermitteln von Telemetrie-Daten an Microsoft lässt sich zwar weiterhin nicht abschalten, aber immerhin lassen sich die bereits versendeten Analysedaten sichten und vom PC löschen. Zudem bessert Microsoft beim Datenschutz-Dashboard nach. Bei dem Online-Portal lassen sich über die neue Kategorie Aktivitätsverlauf alle Daten einsehen und verwalten, die Microsoft zum jeweiligen Konto gespeichert hat. Eine Löschfunktion für einzelne Einträge steht ebenso bereit wie die Option, die gesammelten Daten aus dem Dashboard zu exportieren. Zusätzlich bietet das Windows-10-Update beim ersten Start neu strukturierte Datenschutz-Grundeinstellungen: Einfache Ja/Nein-Entscheidungen, etwa zur Nutzung der Standortdaten, sollen die Wahl der optimalen Einstellungen erleichtern.


Windows 10: Was kommt als Nächstes?
Statt wie früher alle paar Jahre eine neue Windows-Version auf den Markt zu bringen, setzt Microsoft alles daran, sein aktuelles Betriebssystem mit regelmässigen Updates auf Stand zu halten und kontinuierlich zu erweitern. Das Windows as a Service getaufte Konzept sieht deshalb zwei Updates pro Jahr vor, die jeweils im März und September fertig werden sollen. Um flexibel zu bleiben, legt sich Microsoft auf keinen exakten Termin fest. Wie die Erfahrung aus den vergangenen Updates zeigt, rechnet der Konzern nicht mit dem ersten Tag der Veröffentlichung. Für Microsoft zählt vielmehr, wann die Entwicklung abgeschlossen ist („Code Freeze“). Entsprechend bedeutet März oder September, dass die Verteilung der finalen Version in aller Regel erst im April beziehungsweise Oktober beginnt. Das bestätigt nach den vergangenen Updates auch das aktuelle April-2018-Update, das die Versionsnummer 1803 trägt. Doch damit nicht genug: Mit Redstone 5, das als Version 1809 erscheint, hat Microsoft die Arbeiten am nächsten Windows-10-Update bereits aufgenommen. Um das Namenschaos rund um den Begriff „Creators Update “ einzudämmen, will Microsoft einem Bericht von The Verge zufolge mit dem Redstone-5-Update allerdings einen neuen Marketingnamen für seine Updates einführen.

Hinweis: Bei der Versionsnummer stehen die ersten beiden Zahlen für das Jahr, während die hinteren beiden Ziffern den Monat definieren. 1709 bedeutet übersetzt September 2017, während 1803 folglich für März 2018 steht.


Alle Details zum April-Update finden Sie auch als Bilderstrecke auf www.computerbild.de

Sunday, May 6, 2018







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